Traust du dich, dich einer Welt zu stellen, die Ungewisses für dich bereit hält?

Am 12. März 2015 begannen die ersten Berichterstattungen in ganz Japan über einen neuen Virus, der gefährliche Ähnlichkeiten mit der Asiatischen Grippe hatte, die 1957 ausbrach und bis 1968 ihr Unwesen trieb und Schätzungen nach eine bis zwei Millionen Menschen das Leben kostete. Wie auch schon bei diesen Viren zeigten die ersten Wirte ähnliche Symptome wie bei einer Erkältung. Fieber, Husten und Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen - aber dabei sollte es nicht bleiben. Fast zwei Monate später, am 8. Mai desselben Jahres, hatten sich deutlich mehr Menschen mit dem Virus infiziert und die Symptome wurden schlimmer. Es kamen Übelkeit und Erbrechen hinzu, einige wenige reagierten sogar mit schmerzhaften Hautausschlägen, temporären Ohnmachtsanfällen und spontanen Lungenentzündungen auf den Fremdkörper in ihrem Organismus. Den Behörden wurde schnell klar, dass Maßnahmen ergriffen werden mussten wenn man nicht wollte, dass sich die Bedrohung zu einer Pandemie ausbreitete und mehr forderte, als ein paar lahmgelegte Fabriken und Firmen, weil niemand mehr vor die Tür gehen konnte. Unter Hochdruck entwickelten Pharmazeutiker und Laboranten einen aggressiven Impfstoff, der kurz nach Fertigstellung und einer fahrlässig kurzen Testphase an der Bevölkerung ausprobiert wurde und sofortigen Erfolg feierte. Japan atmete erleichtert auf und war, nach geringen, nicht vermeidbaren Verlusten unter der Schicht kranker und schwacher Menschen, am 27. Dezember 2015 wieder virenfrei. H10N2 war rasch und restlos besiegt worden - seine Spuren hatte er allerdings dennoch hinterlassen.

Zum Jahreswechsel 2015/2016 hin bemerkten die ersten seltsame Ziffern, die direkt über den Köpfen ihrer Mitmenschen schwebten. Sie waren immer von schwarzer Farbe, hatten immer exakt fünf Stellen und zeigten für jeden andere Zahlen an. Manchmal waren die Stellen nicht komplett ausgefüllt; für manche waren die Zahlen ein- oder zweistellig und der Rest war mit Nullen ausgefüllt, andere wiederum sahen fünfstellige, erstaunlich hohe Zahlen und doch gab es in beiden Fällen eine Gemeinsamkeit: Die Ziffern standen nicht still. Sie veränderten sich mal ins Höhere, mal ins Niedrigere und was anfänglich den meisten ein Rätsel war, stellte sich oftmals als ausgesprochen nützlich heraus. Man erkannte, dass die Zahlen Maßangaben waren und das jeder Mensch, der sie sehen konnte, ein anderes Maß sah. Was für den einen die Anzahl von Lügen war, die der Gegenüber in seinem Leben schon erzählt hatte, war für den nächsten nichts anderes als der Verlust von geliebten Personen, die der Gesprächspartner bereits hatte erleiden müssen. Alles, was im Laufe einer Existenz in Zahlen gefasst werden konnte, erschien nun über den Köpfen der Japaner und nicht wenige begannen, sich ihre Fähigkeit zu Nutze zu machen. Plötzlich befand sich die Gesellschaft im Umschwung und das schlug sich in allen Bereichen des Alltags nieder.

Inzwischen zeigt der Kalender September 2016 und es hat sich eine gewisse Alternativnormalität zum Rest der Welt eingestellt. Japans Bevölkerung hat die Zahlen als positive Bereicherung integriert und wer kann, der nutzt seine Zahlen, um damit entweder privaten oder wirtschaftlichen Profit zu machen. Die Frage nach dem Ursprung dieser Fähigkeit ist inzwischen kaum mehr zu hören, obwohl die Vermutung nahe liegt, dass dieser beim H10N2 Virus und dem verabreichten Impfstoff zu finden ist. Belege gibt es dafür keine, nur Theorien, die dadurch befeuert werden, dass all jene, die nicht krank geworden sind und auch keine Impfung erhalten oder sich bewusst dagegen entschieden haben, nicht dazu in der Lage sind, Zahlen zu sehen. In diese Richtung wird allerdings nicht geforscht und die Regierung selbst scheint daran keinerlei Interesse zu haben. Stattdessen herrschen spürbare, wenn auch nicht dominante Spannungen zwischen denen, die die Fähigkeit besitzen und jenen, die sie nicht haben. Es gab bisher jedoch keine Gelegenheit, diese Konflikte auszutragen, da durch die Grippe einiges an Arbeit liegen geblieben ist und Nishinomiyas Jugend vor einem neuen Schuljahr steht. Auch die Schüler des Sūji Internats sehen sich nun neuen und ungeahnten Herausforderungen gegenüber.

Spielbare Charaktere
▲ Sainō
Als Sainō werden all jene bezeichnet, die dazu in der Lage sind, Zahlen zu sehen. Für jeden bedeuten diese Zahlen etwas anderes und während der eine sehen kann, wie viele Lügen seine Mitmenschen erzählt hat, kann ein anderer womöglich die Anzahl der Verluste von geliebten Personen sehen. Es gibt keinerlei Grenzen.
▲ Tatari
Tatari haben nicht den Vorteil, dass sie mit einem einzigen Blick bestimmte Informationen über ihre Mitmenschen in Erfahrung bringen können, die diese vielleicht lieber für sich behalten hätten, und das rückt sie automatisch in eine schlechtere Position. Sainō benehmen sich gegenüber Tatari deswegen oft überlegen und der Neid unter den Tatari wächst.

Shortfacts
Schulrollenspiel mit Internat und Umgebung
Sainō und Tatari spielbar
Empfohlen ab 16 Jahren
Anime- & Mangaavatare

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